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Wir müssen reden..

 

 

 

 

Dieser Satz, diese drei Worte sind etwas, was wir niemals hören wollen. Vor allem von Menschen die wir lieben bzw. mögen. Impliziert er doch, dass etwas nicht stimmt und es auf eine, wohl nicht ganz so positive Unterhaltung hinausläuft. Es deutet darauf hin, dass die Person die diesen Satz ausspricht, sich im Vorfeld Gedanken gemacht hat und Klärungsbedarf besteht. Heute bin ich die, die diesen Satz ausspricht und zwar zu euch.

 

 

 

Ich bin nun ziemlich genau ein Jahr auf Twitter, was sich anfühlt als wären es Zehn. Da in dieser Zeit so viel passiert ist, das es fast schon unwirklich ist, das dies nur ein Jahr sein soll. Ich habe glaub ich die tollsten Menschen der Welt kennengelernt. Jeder und jede einzelne hier hat mich für sich eingenommen. Ich kann klaren Herzens sagen, das ich mich tatsächlich in gewisser Maßen in euch verliebt habe. Das macht es schwer, fast unerträglich, denn ich muss einen Schritt gehen, der uns etwas trennen wird. Ich habe bereits in der Vergangenheit, immer mal wieder davon erzählt, dass ich trotz meinem jungen Alters, nichts von Sozial Media halte. Facebook, Instagramm etc. gingen und gehen mir komplett am Arsch vorbei, weil ich schlicht keine Zeit und keine Muse für solche Dinge habe. So war das auch vor einem Jahr was Twitter betraf, was sich offensichtlich deutlich geändert hat. Von anfänglichem rumspielen und experimentieren, wurde daraus ein fester Bestandteil meines jetzigen Lebens. Das ist in der Hinsicht immer noch total verrückt, so fühlt es sich zumindest für mich an. Nun bin ich eben auch ein Mensch, mit sehr vielen Facetten und Interessen und bin in meinem Leben schon genug ausgelastet, was twittern zumindest sporadisch zulässt, mehr eben nicht. Die Kontrolle darüber habe ich in den letzten Wochen massiv verloren. Twitter nahm immer mehr Zeit in Anspruch und gewisse Teile meines richtigen Lebens haben darunter gelitten.

 

 

Privat hörte ich öfter den Satz: "Leg doch mal dein scheiß Handy weg!" von verschiedenen Personen und auch beruflich nahm der Aufwand überhand.  Dabei wollte ich einfach allen nur gerecht werden, mag ich doch jeden dem ich folge und möchte nicht, dass jemand zu kurz kommt, oder sich weniger beachtet fühlt. So bin ich nicht. Ich mag euch aufrichtig. Jeden/Jede einzelnen und so habe ich mich immer mehr in diese Spirale Namens Twitter verloren. Wie ein Sog, der alles mit einsaugt und für sich einnimmt. Mein Arbeitgeber wurde aufmerksam, als er die erhöhte Webaktivitäten aus meiner Abteilung wahrgenommen hatte. Als ich als Verantwortliche ausfindig gemacht wurde, kam es zur Aussprache. Mir wurden Zahlen vorgelegt, die ich erklären sollte. Ich konnte und wollte es nicht, dafür habe ich eine Abmahnung kassiert. Mein Arbeitgeber ist kein Arschloch, nicht falsch verstehen, ich habe nun mal gegen Firmenregeln verstoßen und das massiv. Um das in fiktiven Zahlen darzustellen: Gehen wir davon aus, das ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in unserem Hause circa 100 Onlineminuten im Monat verbraucht. Das ist auch erlaubt und man sagt auch nichts wenn es mal bissl drüber geht. Meine Wenigkeit, lag in den letzten 3 Monaten bei  1000 Onlineminuten. Wohlgemerkt, als einzige Mitarbeiterin im ganzen Unternehmen. Verrückt ich weiß, aber es ist nun mal faktisch belegbar. Ich hatte schlicht keine Argumente, die mein Verhalten legitimieren hätten können, einzig festzuhalten war, das meine Arbeit selbst, darunter nicht gelitten hatte. Ich habe alles wie auch schon in der Vergangenheit, sauber und professionell bewerkstelligt. Ich twittere also nicht mehr während meiner Arbeitszeit, wenn dann nur selten und meist vom Handy aus, in den Pausen.

 

 

Privat, war ich zumindest was die Wochenenden und Abende betrifft, eh kaum aktiv, dennoch nutzte ich viel Zeit dafür euch zu lesen und etwas auf dem laufenden zu bleiben. Ihr seht das ja nicht, weil ich dann kaum fave oder kommentiere, aber glaubt mir, es war viel.

 

 

Am Donnerstag brach das alles auf mich herein. Eine Bombe platze und riss mir Twitter aus den Händen. Riss mir euch aus den Händen. Wie ein Mädchen, dem man plötzlich das Lieblingseis aus den Händen gerissen hatte, wehrte ich mich innerlich und schlug um mich. Allerdings eher gegen mich selbst, als gegen andere gerichtet. Ich wollte alles löschen und die ganze Sache sofort beenden. Schrieb 10 Abschiedstexte, die ich alle wieder löschte, weil keiner ausdrückte was ich fühlte. Ich war komplett planlos, überfordert und am Boden zerstört. Mein Kopf drehte sich wie ein Tornado und lies mich keinen klaren Gedanken mehr fassen. Ihr fragtet mich was los sei, ich konnte euch nicht antworten. Ich hatte keine Antworten, keine Ahnung was ich hätte schreiben können, außer das kleine Wörtchen NEIN, kam nicht viel als Aussage von mir. Ich konnte nicht, weil ich selbst nicht wusste wohin mit mir, wohin mit euch. Anna schrieb mit mir und ich las einfach ihre Zeilen, legte mich zuhause ins Bett und dachte die ganze Nacht darüber nach. Ich hatte nicht viel geschlafen, ich war keinen Schritt weiter gekommen. Mein Finger lag im Geiste immer noch angelegt, auf dem Deaktivierknopf, doch er zitterte. Im Laufe des Wochenendes, wurde mir einiges klar. Ich hatte mich verrannt und in eine Situation begeben, die nicht gesund sein konnte. Twitter war eine Sucht geworden. Ich war und bin süchtig nach euch. Ich lese euch zu gerne, interagiere, spaße und diskutiere. aber dies sollte eben in einem auch für mich gesunden Maße geschehen, so dass ich weitaus mehr Freude an jedem einzelnen von euch habe. Ich muss nicht jedem von euch beweisen, dass ich euch mag. Ihr wisst das schon. Ich muss nicht jeden Tweet von jedem gelesen haben, es reicht wenn ich da bin wenn es darauf ankommt. Auch muss ich nicht eure Kriege oder Probleme mittragen, ich bin da, ich geb euch Rückendeckung wenn ihr es braucht. Aber ihr seid selber groß und könnt euch selbst wehren. Dazu braucht ihr mich nicht. Ich habe mich dafür entschieden, das ich mein Account so belasse, wie er ist. Nix mit löschen, oder was auch ne Überlegung war, neu anzufangen. Allerdings, wird es ruhiger werden, aufgrund von den bereits genanntem.

 

 

 

Ich werde allerdings einige Modifikationen vornehmen. Das ist leider notwendig, um euch besser und effektiver lesen zu können. Das heißt einigen Leuten werde ich entfolgen. Diese sollten im übrigen nicht böse sein, denn es wird nur Leute treffen, mit denen ich nicht alltäglich Kontakt habe. Ich mag euch trotzdem, aber ich kann mich unmöglich auf 360 Leute gleichzeitig konzentrieren. Stummschalten ist keine Option und anders weiß ich nicht, wie ich es sonst Händeln soll. Ich denke ich bekomme das alles in den Griff. Ich habe ja euch, die mir bereits tatkräftig helfen und verstehen, um was es mir geht.

 

 

 

In diesem Sinne, herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

 

 

 

Ich arbeite dann mal an meinem Twitter 3.0

 

 

 

Eure Julia

 

 

 

 

 

 

P.S. Ich danke euch allen, die sich Sorgen um mich gemacht haben und mir zur Seite stehen. Es tat überaus gut euch zu haben und zu wissen, das ihr hinter mir steht, egal was auch geschieht.

 

Danke ihr wunderbaren Menschen!!!

 

Speziellen Dank geht hier an meine Anna, Sunny, Svenya, Cherry, Franzi und Herzbeerchen. Ebenfalls großen Dank an Max, W3bi und Echti.

 

Ich kann kaum in Worte fassen, was ihr für tolle Menschen seid!

 

Danke

 

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Kommentare: 5
  • #1

    nur_mein_herz (Mittwoch, 07 August 2019 06:42)

    Hallo Julchen,
    deine Worte berühren mich sehr, machen mich nachdenklich und traurig. Ich hoffe, du findest deinen Weg. Mit uns, mit mir. HDL Kleine. Schön das es dich gibt!
    M

  • #2

    Jane (Montag, 12 August 2019 16:30)

    Hey Jules, hab mir schon Sorgen gemacht, als ich heute nach einigen Tagen wieder auf Twitter war und du verschwunden warst. Alles gute für dich!

    Küsschen
    Jane

  • #3

    dirk (Montag, 12 August 2019 17:21)

    Starke Worte, die ich nachvollziehen kann weil es mir oft genauso geht wie dir.
    Ich hoffe du findest deinen Weg..

  • #4

    S (Donnerstag, 26 September 2019 12:59)

    Kann es sein das du etwas melodramatisch bist?
    Das liest sich alles wie in einer Dramaserie

  • #5

    clown999 (Sonntag, 27 Oktober 2019 08:59)

    Hallo Julia,
    viel Erfolg beim zurück in die Wirklichkeit. Ich finde das sehr gut.