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Und dann bist du still...

 

 

 

 

Etwas ruhte der Blog in letzter Zeit, das hatte verschiedenste Gründe. Zum einen hatte/habe ich eine Schreibblockade. Das kennen viele der schreibenden Zunft. Ein Zustand, den man nicht einfach so beheben könnte, egal was man unternimmt, es wird immer schlimmer. So zumindest bei mir. An Ideen hapert es nicht, davon hab ich massig und auch nicht an Inspiration. Es ist schlicht eine Bremse im Kopf. Ich schreibe los und verliere den Faden, oder aber das bereits geschriebene gefällt mir absolut nicht. Dann sitz ich da, zehn Geschichten angefangen und mir sind die kreativen Hände gebunden. Meist find ich da locker selbst wieder raus, oftmals auch durch Einflüsse von außen. Diesmal nicht. Diese Einflüsse von außen, lähmen mich noch mehr. Geschichten zuvor in meinem Kopf ganz klar, verschwinden in einem Nebel. Ideen, die vormals von meinem Kopf als grandios gehalten wurden, sind plötzlich völlig bescheuert. So sitze ich da, keinen Zugriff auf irgendwas und fühle mich miserabel, weil ich nichts aufs Blatt bekomme.

 

 

 

 

Seit September geht das nun schon so. Da hatte ich noch Ansätze und schrieb zumindest Sätze weise weiter, dann Anfang Oktober war es völlig vorbei. Ich hatte im Urlaub noch Kraft geschöpft und war bereit für meine zukünftigen Projekte. Dann riss mir das Leben einen geliebten Menschen weg. Ich fiel in ein tiefes Loch. Ich kann heut noch nicht darüber schreiben. Obwohl können schon, aber nicht wollen. Es ist mein Schmerz. Mein Herz. Ich repariere es selbst, wie immer. Das kann ich und da kann mir auch niemand dabei helfen. Es gibt Menschen die mich halten, die mir beistehen, aber helfen, musste ich mir selbst. Nun ist meine Welt wieder in Ordnung. Ich habe getrauert, war wütend und enttäuscht. Habe meine Welt in Brand gesteckt, um sie wieder behutsam zu löschen und das, was noch übrig war, wieder aufzubauen. Neuanfang. Mit dem Wissen, dass es nie mehr so sein wird wie zuvor und der Erkenntnis, dass es das auch überhaupt nicht muss, sondern das schon alles so gut ist, wie es ist.

 

Vermisse ich sie? Ja jeden Tag, jede Sekunde. Immer wenn ich Twitter öffne. Immer wenn ich ihre Namen höre (Und ich höre ihn oft, weil mein Freund ähnlich heißt). Aber ich habe ihre Schwester an meiner Seite und einige, die ebenfalls das Glück hatten sie kennenlernen zu dürfen. Das macht es perfekt. Ein Teil von uns allen, ist sie geworden. Ein Teil, der immer in uns bleiben wird. Das ist sehr schön.

 

 

 

Nun bin Ich schon in der 13. Woche schwanger. Ich bekomme ein Kind. Das was ich mir für meinen Lebensplan immer gewünscht habe. Eine Familie. Ich war völlig aus dem Häuschen, bin ich immer noch. Das ist alles total aufregend und wahnsinnig spannend. Es ist alles so anders, so ungewohnt und ich bin pure Freude. Die Kotzerei scheint überstanden und die nächste Phase entwickelt sich so allmählich. Das Bäuchchen zeichnet sich ab und mein ganzer Organismus scheint sich nun an dieses schwanger sein zu gewöhnen und stellt sich drauf ein. Stimmungsschwankungen von Fick dich, wegen nichts und wieder nichts, bis hin zu heulen wegen einem Herzen an einem Tweet, ist alles dabei. Auch eine unfassbare Rattigkeit. Ich mein ich bin ja schon immer mit einer ausgeprägten Libido gesegnet, aber die letzten Tage waren selbst für meine Verhältnisse zu krass. Hoffe das legt sich noch, bevor ich mir eine Fußballmannschaft kaufe. Ansonsten geht es mir hervorragend. Wahrscheinlich sogar so gut wie noch nie in meinem Leben.

 

 

 

 

Als ich Zehn war, sind meine Familie und ich von Deutschland nach Österreich gezogen. Das hatte mehrere Gründe, der wichtigste allerdings, mein Papa bekam eine Arbeitsstelle die sehr hoch bezahlt war. Es war quasi ein Jackpot, der unsere damalige etwas finanziell anstrengende Situation, auf einmal löste. All die Probleme, die wir vorher hatten auch Familienintern, weil immer wieder das Geld fehlte, waren dadurch verschwunden. Auch wenn die Geschichte für mich und meinen Bruder damals heftig war, mussten wir doch all unsere Freunde, unsere Heimat hinter uns lassen, so weiß ich heute das es die Beste Entscheidung war, die mein Papa je getroffen hatte. Jetzt 15 Jahre später kehren wir zurück. Waren wir seit ca. einem dreiviertel  Jahr im Schnitt eh alle 14Tage übers Wochenende da, ertappte ich gerade nach einem solchen Wochenende, meinen Papa in einer sehr privaten Situation. Wir wollten in ca. 1 Stunde losfahren und ich brauchte noch was aus dem Keller meiner Oma. Da saß mein Papa, die Hände vor den Augen und schluchzend. Als ich ihn fragte was los sei, erwiderte er nur kurz, er möchte nicht mehr zurück nach Österreich. Er möchte hier bleiben. Hier ist seine Heimat, sein zuhause. Er will endlich Heim. Mama ist seit 6 Jahren Tod. Wir sind groß und stehen auf eigenen Beinen. Er hat genug Geld verdient. Er schaute mich mit verweinten Augen an, mich seine Tochter: "Darf ich bitte wieder nach Hause? Bitte!" Ich nahm ihn in den Arm und versprach, das wir eine Lösung finden werden. Bald schon.

 

Am Abend nach der Ankunft in Österreich, unterhielt ich mich mit meinem Freund. Es war ein langes Gespräch mit einer Wendung, die ich nie für möglich gehalten hatte. Er: "Dann ziehen wir alle dahin!"

 

Ich : "Bitte was?!" "Wie..?" "Wie meinst du das?". Ich war komplett überrumpelt. Mein Freund meinte, das ich doch genauso empfinde. Wir uns entschieden haben eine Familie zu gründen und es wohl der Beste, wenn nicht sogar einzige Zeitpunkt wäre um das zu realisieren. Er sein Geschäftsmittelpunkt eh mehr in Deutschland sieht und es auch für ihn ein perfekter Zeitpunkt wäre, Ich war baff. Wir redeten in den nächsten Tagen sehr intensiv über das Thema. Mit allen Beteiligten. Mit meinem Bruder und seiner Familie, mit Freunden, Kollegen. Mein Freund seinerseits mit seiner Familie. Erstellten einen Finanzierungsplan und einen groben Ablauf. Mein Vater kontaktierte eine alten Freund in der Heimat, der ein Immobilienmarkler ist und beauftragte ihn, ein geeignetes Haus zu suchen. Er sollte sich einfach mal umschauen und anbieten was es gibt. Wir hatten innerhalb einer Woche einen Termin in Schwaben zur Hausbesichtigung. Ein Zweifamilienhaus. Ganz in der Nähe von meiner Oma. Es vergingen noch einige Tage, wo noch einiges abzuklären war und zack kauften wir das Haus. Alle gemeinsam. Ich kündigte meinen Job auf 01.12.19 und wir gingen das Projekt: Zurück in die Heimat an. Das ich zwischenzeitlich schwanger geworden bin, macht die ganze Sache einfach unglaublich schön. Perfekter kann es nicht laufen.

 

 

 

 

Seit 2. Dezember wohnen wir nun wieder in der alten Heimat. In unserem neuen Haus. Mein Papa kann abends mit seinen Freunden aus Kindheitstagen in der Kneipe gaigeln. Ich richte unser Nestchen ein und fülle das Haus mit Liebe und mein Baby wächst und gedeiht wunderbar. Sogar einen neuen Job hab ich hier bekommen. Etwas in Teilzeit mit Homeoffice. Mit einem sehr guten Gehalt. Meine Qualifikationen waren mir voraus geeilt. Wahnsinn!

 

 

 

 

So, das mal so als kleines Update und das ihr wisst, das es mich noch gibt.

 

Hab euch lieb.

 

 

 

 

Eure Julia!

 

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Kommentare: 1
  • #1

    nur_mein_Herz (Donnerstag, 12 Dezember 2019 04:40)

    Liebstes Julchen,
    so sehr wünschte ich mir, dich in deinem Schmerz und deiner neuen Aufgabe unterstützen zu können. Vieles, was du schreibst habe ich selbst erlebt, schlimmeres sehe ich jeden Tag.
    Zu sehen, wie sich ein lieb gewonnener Mensch über Wochen quält zerreißt mir mein Herz. Ich hab diese Menschen beobachtet, mitgelitten. Dein Eintag hier zeigt mir, du bist auf (deinem) richtigen Weg.
    Ich bin froh und stolz, dass ich dich kennenlernen durfte und werde immer für dich da sein.
    HDL
    M